Interview: Crossfire-metal.de

SWEET HOME HELL – Der Kampf zwischen Doof und Böse

Die Tage flatterte mir eine eingeschweißte Promo-CD in Eigenregie ins Haus. Sweet Home Hell aus NRW bieten dort vier Songs coolen Old School Thrash Metals im guten, alten Bay Area-Stil. Sie sind jedoch noch ein nahezu unbeschriebenes Blatt. Grund genug also, Sänger Bouncer van Jansen mal zu kontaktieren und die Geschichte dieser noch jungen Band kurz Revue passieren zu lassen.


 

Daniel: Hi Bouncer van Jansen! Erzähl mal: Wann und wie kam es genau zur Gründung von Sweet Home Hell?

Van Jansen: Savage, Ralf und Paule haben die Band gegründet und hatten eine Annonce geschaltet: „Metal Band sucht Sänger mit Pferdeschwanz, Frisur egal…“ Die drei hatten halt Bock auf Old Scuel Thrash. Für mich war das am Anfang natürlich eine ganz schöne Umstellung. Ich hatte ja ursprünglich nur unter der Dusche gesungen, und selbst da kam ich meistens nach 30 Minuten an die Grenze meiner stimmlichen Belastbarkeit. Aber die drei waren und sind sehr gnädig mit mir. Außerdem kann ich bis zu zwei Gitarrenkoffer gleichzeitig tragen, was sicherlich einen meiner Kernkompetenzen sein dürfte. Im Spätsommer 2018 kam dann noch Christian als zweiter Saitenhexer dazu, und das jetzige Line Up war komplett.

Daniel: Welche Bands haben Euch beeinflusst?

Van Jansen: Wir sind ja alle Kinder der Achtziger und Neunziger. Persönlich denke ich oft, dass unser Sound eine Mischung aus Judas Priest und Slayer ist. Natürlich findet man aber auch Testament, Exodus, Forbidden und eine Prise Forté daran wieder; also weitesgehend Bay Area Stuff, wobei Forté, glaube ich, aus Oklahoma kamen.

Daniel: Worum geht es in Euren Texten? Gibt es eine Art Botschaft, die Ihr vermitteln wollt?

Van Jansen: Bei Musik geht es um Gefühle. Deswegen handeln die Texte von eigenen Erlebnissen oder davon, was ich in Situationen empfand. Ich glaube nicht, dass es emotional funktioniert, etwas im TV zu sehen und dann einen Song darüber zu schreiben… Inhaltlich ist aber alles von einer großen Zuversicht geprägt. Klar läuft vieles schief, aber Du musst Dich ja nicht ja nicht unnötig runterziehen lassen. Life is what you make it!

Daniel: Eine Sache finde ich interessant, wenn man sich Euer Line-Up anschaut: Du warst von 2009 bis 2013 Sänger bei der Doom Metal-Band is LOVE alive ?, bei der Euer Gitarrist Stadtler 2017 auch mal ein kurzes Gastspiel hatte. Ihr wart also beide in der Band, aber nicht zur selben Zeit. Wie habt Ihr Euch kennengelernt?

Van Jansen: Du warst sogar dabei. Das war bei einem Gig auf einer Geburtstagsparty beim Meister (Meinolf Barthel) in der Feuerwehr Südkamen.

Daniel: War es Euch wichtig, die Vergangenheit hinter Euch zu lassen und Euch vom Doom Metal abzuwenden? Doom ist ja schließlich das Original… Oder hatte das nichts mit Eurer Ex-Band zu tun?

Van Jansen: Für mich waren und sind Saint Vitus (mit Wino!) immer die Doom-Band schlechthin. Irgendwie waren Saint Vitus aber auch langsame Punks. Thrash hatte ursprünglich auch mal diese Punk-Attitüde und zeichnete sich durch sozialkritische Inhalte aus. Das dynamische im Thrash kommt meiner Mentalität halt auch sehr nahe. Insofern war es nie eine Entscheidung gegen Doom, sondern eher für Thrash. Doom bleibt aber das Original, frag mal Eric Wagner!

Daniel: Wird da im Proberaum eigentlich noch getuschelt und gelästert? Oder ist das Kapitel für Euch endgültig abgeschlossen?

Van Jansen: Ja, klar!

sweet home hell

Daniel: Hast Du den Werdegang von Is LOVE alive ? nach Deinem Ausstieg eigentlich noch verfolgt? Kennst Du ihre beiden CDs, die danach erschienen sind? Und hast Du da eine Meinung zu?

Van Jansen: Ja, klar! Mir gefallen sowohl die Sachen mit Hüsi als auch die letzten Aufnahmen mit Anne am Mic. Ich wünsche is LOVE alive ? alles Gute. Tom Pieper war ohne Zweifel der größte Gitarrist, mit dem ich zusammenarbeiten durfte. Er ist ja locker 1,90 m.

Daniel: Wie kam es eigentlich zu dem seltsamen Bandnamen, der ja angeblich sogar von Dir stammen soll?

Van Jansen: Das hat Tom, im Rahmen seiner Möglichkeiten, im letzten Deaf Forever eigentlich ganz gut erklärt.

Daniel: Und womit hat es bei dem Namen Sweet Home Hell auf sich? Ist es eine Parodie an „Sweet Home Alabama“? Oder steckt mehr dahinter?

Van Jansen: Als Savage zu ersten Probe fuhr, lief oben genannter Song im Radio. Er hielt das, vermutlich hatte er auch noch Blut im Alkohol, wohl für einen nennenswerten Umstand. Als er Ralf darüber berichtete, korrigierte dieser ihn in seiner gewohnt pragmatischen Weise in Sweet Home Hell. Gerüchten zur Folge soll er damals „leicht“ gefrustet gewesen sein.

Daniel: Lass uns mal über Eure CD reden, die dieser Tage veröffentlicht wurde und meines Wissens Eure erste Aufnahme ist. Wie lange hat es gedauert, die Songs zu schreiben und aufzunehmen?

Van Jansen: Als ich dazu stieß, hatte Savage schon einiges an Material geschrieben. Damit hat er glücklicherweise bis heute nicht aufgehört. Savage ist der Hauptsongwriter der Band und legt mir meistens schon weitesgehend fertige Songs vor, zu denen ich dann Gesangsmelodien und Lyrics beisteuere. Diese vier Songs haben wir deshalb ausgewählt, weil sie aus einem Guss sind. Unser erstes „Hallo, hier sind wir, und so hören wir uns an!“, sozusagen. Inhaltlich geht es um den Umgang mit Lebenserfahrung, den Kampf zwischen Doof und Böse und den Vollhorst mit der Perücke mit den daraus entstehenden Folgen für uns alle. Wir werden aber in 2020 ein komplettes Album nachschieben, welches sicherlich die ein oder andere Überraschung beinhaltet.

Daniel: Wo habt Ihr aufgenommen und wer hat produziert?

Van Jansen: In Soest, im Studio von Ingo „Holzi“ Holzhauer, der vielen noch von Life Artist bekannt sein dürfte. Aufgenommen haben wir in vier Tagen. Die vier Songs „Empire Of Pain, „Brave“, „Natural High“ und „America First“  repräsentieren uns genau jetzt.

Auf Eurer Facebook-Seite ist ein Video des Songs „Time To Kill“ zu sehen. Warum hat dieser es nicht auf die CD geschafft? 

Van Jansen: Oh, der heißt jetzt „Natural High“ und ist auch auf der CD drauf.

Daniel: Eine Promo-CD im Pappschuber ist für kleine Bands nicht ungewöhnlich, dass sie verschweißt ist, dagegen schon. Warum habt Ihr Euch gegen eine Standard-CD mit richtigem Booklet entschieden?

Van Jansen: Uns geht es in erster Linie um die Songs und die Produktion und nicht um das Image. Wir sind eher auf den Punkt und authentisch, und das spiegelt sich halt auch hier wieder.

Daniel: Ist demnächst ein komplettes Album in Planung? Und wird dies Neuaufnahmen der vier Songs der EP enthalten, oder wird es komplett neue Songs geben?

sweet home hell

Van Jansen: Das Album kommt 2020! Wir haben genug Material geschrieben, wollen aber trotzdem ein-zwei Songs vom Demo draufpacken. Welche das sein werden, wird sich zeigen. Wir würden es auch gerne auf Vinyl herausbringen, aber das ist wie so vieles im Leben eine Kostenfrage.

Daniel: Ihr spielt auch live, soweit ich weiß. Wann und wo kann man Euch demnächst wieder auf der Bühne sehen?

Van Jansen: Dieses Jahr ist erstmal nix mehr geplant, aber das heißt bekanntlich nicht viel und kann sich immer mal spontan ändern.

Daniel: Wie sehen die weiteren Zukunftspläne von Sweet Home Hell aus?

Van Jansen: Das Album aufnehmen und dann der Dinge harren, die kommen. Im Laufe des Jahres 2020 werden dann auch wieder einige Gigs anstehen. Das könnt Ihr auf der Website checken.

Daniel: Na gut, van Jansen! Das Schlusswort gehört Dir!

Van Jansen: Danke für das Interview! Wir wünschen allen Lesern alles Gute. Checkt uns doch mal ab. Cheers!

 

Autor: Daniel Müller

 

 

 

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